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Freedo

 

Die wahre Geschichte von Freedo,

 

dem kleinen blauen Drachen

 

freedo

Es war in der Zeit, als die Drachen von Atlantis bereits vom Vergehen ihres Kontinentes wussten, und da sie überaus weise waren, beschlossen sie trotz aller anstehenden Gefahren ihre letzten Eier an gut gehüteten Plätzen zu verstecken.
Iolande besprach sich mit Ra Neomi, denn sie hatte in diesen schweren Zeiten ein Ei in ihrem Leib geformt. Der alte Sternendrache Ra Neomi wusste um die den Genen des Jungen inneliegenden Möglichkeiten und er bat die Drachin ihr Ei am Fusse des atlantischen Gebirges in den tiefen Höhlen zu verstecken, so nahe wie möglich am wärmenden Strom der Mutter Gaia.
Iolande war einverstanden und, obwohl es ihr nicht leicht fiel, machte sie sich zu den alten Gängen und Höhlen auf und sie lies sich vom schwefeligen Geruch Gaia's immer tiefer in das Felsmassiv hineinführen. Nach langer Wanderung erreichte sie eine angenehm warme Höhle. Sie war erschöpft, doch sie wusste das die Zeit drängte und so entließ sie ihr letztes Ei in die Obhut der grossen Mutter. Sie sang die uralten Segensrituale aus den Sternenzeiten und gab dem Ei einen liebevollen Schubs und es kullerte tiefer hinein in die Erde in jene Regionen wo ihr Leib dem Ei nicht mehr folgen konnte.
Ohne einen Blick zurück zu werfen machte sie sich auf ihren Rückweg und sie erreichte den Eingang des Steinlabyrinthes just in dem Moment als der grosse Blitz einschlug, der Obelisk erglühte um zu vergehen, und der grosse Schmerzensschrei der Trennung durch Gaia hallte. Müde spreizte sie ihre Flügel und erhob sich in die Lüfte umflog die Feuerwolken, geführt und gerufen von ihrem Geschwistern schaffte sie es den jungen blauen Planten hinter sich zu lassen und sie schwebte, sich entspannend, in den unendlichen Weiten und flog ihrer Heimat zu.

So kam es das das schwere dickschalige Ei durch die Erschütterung der Erdkrumme tief tief in die erloschenen Lavagänge hinabrutschte um dort sicher und geborgen, von Gaia umhüllt, zu ruhen bis die Transformation abgeschlossen war.
Nach nicht messbarer Zeit bemerkte das Drachenkücken ein zunehmen der Wärme um sich herum. Es wurde sich mehr und mehr seiner selbst bewusst und begann seine Gesänge auszusenden zu seiner Familie, doch es erhielt keine Antwort. Unbeirrt sang das Junge weiter und mit jeder neuen Strophe erinnerte es sich mehr und mehr seines Seins, Gaia war seine Mutter, der Himmel hoch oben sein Vater, die Sterne seine Geschwister. Wie gerne wurde er sie mal sehen. Aber Mutter Gaia übermittelte ihm das die Zeit noch nicht reif sei, und so sang er einfach weiter.
Eines Tages schien es Mutter Gaia nicht gut zu gehen, sie begann zu husten. Das Junge lernte, das die Rassen über der Erde so etwas eine Erkältung nannten. Mutter übermittelte ihm das alles in der Ordnung sei und er sich nicht beunruhigen müsse. Lange dachte das Junge darüber nach was sie wohl mit " beunruhigen" gemeint haben mochte. Er sang lange vor sich hin, doch konnte er diesen Ausdruck nicht ergründen.
Ausserdem wurde es ihm langsam richtig heiss und auch eng in seiner schützenden Hülle, als Mutter ganz heftig hustete und er bemerkte die ersten Risse in seiner Eihülle.
Und wieder hustete Mutter und sein Ei setzte sich in Bewegung. Mit einem gewaltigen Knacken spuckte Gaia das Ei aus, die Hülle zerbrach und das Junge atmete zum ersten Mal die würzige Luft der Erdoberfläche. Es drehte sich und befreite sich von den letzten Resten seiner Eischale.
Es war Nacht, und die Sterne funkelten Beifall klatschend am Himmel und tiefe Freude erfüllte sein Herz während er seinen Geschwistern zusang und ihr strahlendes Leuchten sein Herz berührte.
Seine Flügel spreizend erhob er sich in den Nachthimmel um Ausschau zu halten nach denen seiner Art. Er umrundete die ganze Erdkugel, doch er fand keine Drachen mehr. Also suchte er in den Tiefen der Meere, in den Schluchten der Berge, im Dunkel der Wälder, in den windumtossten Höhen der Schneegebirge und nirgendwo fand er Artgenossen. Seine Suche war spannend, und er war voller Neugier immer neue Ausdrucksformen der Mutter zu erkunden und diese neugier führte ihn immer weiter.
Eines Tages bekam Lust darauf die Menschen zu erkunden. Erstaunt erkannte er, das sie ihn nicht sehen konnten und obwohl er fiele neckte schien niemand ihn zu erkennen. Zuerst machte ihm das viel Spass, und er trieb so manchen Streich, aber nach und nach lernte er was Langeweile ist. Er zog sich in ein Bergmassiv im Herzen Frankreichs zurück, und dachte nach. Er sang zu den Sternen und bat seine Geschwister um Erkenntnis.

Dann formte sich eine Idee in ihm. Aufgeregt flog er los und suchte sich einen Ort, wo Spielzeuge für Kinder hergestellt wurden. Hier fand er einen Menschen der dazu in der Lage war grossartige freie Ideen zu entwickeln, und sie auch in Form zu bringen. Lange begleitete er diesen Menschen und langsam aber stetig wuchs im Kopf dieses Mannes die Idee einen grossen Spielzeugdrachen zu machen. Der junge Drache war begeistert und tat alles ihm mögliche um diesen Menschen anzutreiben. Ja, er versuchte sogar nachts, die Skizzen des Menschen zu überarbeiten, damit sein Ausdruck sich auch darstellen konnte.
Dann, endlich, war es so weit und ein blauer lachender Drache wurde gegossen. Er war so begeistert, das er sein Bewusstsein mit der Spielzeugform verband.
Und so kam es, das unser Drache in einem Fenster einer Autobahntankstelle in Frankreich sass, lange dort sass und viele Kinder die ihn sahen freuten sich sehr, aber irgendwie schien keiner der sogenannten Erwachsenen ihn wahr zu nehmen. Und... er konnte nicht mehr fliegen! Irgendwie war es so mit dieser seltsamen Materiemasse verschmolzen, das er sich nicht mehr von ihr lösen konnte. So sass er Tag auf Tag in im Schaufenster, er sang zu den Sternen und zu den Menschen, lernte viel über Erdöl und seine Produkte und hatte dennoch langsam das Gefühl das er etwas feststeckte.
Eines frühen morgens gegen drei Uhr erschien eine Frau in dieser Tankstelle, und sie nahm ihn wahr! Er spürte sofort das sie Drachen kannte, und das nun etwas in Bewegung kommen würde. Die Frau ging zur Kasse und kam mit einem jungen Mann zurück, der hob ihn hoch, drehte und wendete ihn und setzte ihn dann wieder an seinen Platz. Die Frau schaute ihm traurig nach und drehte sich weg. Das konnte doch nicht sein! Er sang ihr nach, auf ihrem Weg zu ihrem Wagen, er war sich nicht sicher, jedoch wuchs in ihm das Gefühl das sie ihn gehört hatte und sie versuchte ihm irgend etwas von einer zweiten Chance zu vermitteln. Er verstand sie nicht, aber in den folgenden Wochen dachte er über " eine zweite Chance" nach.

Der Mond hatte sich dreimal gerundet, als das selbe Auto wieder vorfuhr. Der kleine Drache erkannte es, und sein Herz hüpfte vor Freude. Die Frau kam zurück, und diesmal kam sie mit einer anderen Frau von der Kasse, er wurde zur Kasse getragen, ein blaue Plastikkärtchen wurde in ein Kästchen gesteckt, "seine" Frau leistete eine Unterschrift und er saß bequem auf ihrem Arm und wurde tatsächlich aus der Tankstelle heraus getragen und in das blaue Auto gesetzt. Das war noch ein Hund, der ihn freundlich beschnüffelte. Er hörte die Frau zu ihrem Hund sagen: "schau mal, Lena, wir haben es geschafft, endlich ist das Drachenkind bei uns, es symbolisiert unseren neuen Anfang. Ich habe doch um ein Zeichen gebeten, ob meine Entscheidung Frankreich zu verlassen richtig ist und wenn der blaue Drache noch da wäre, dann haben wir den Mut diesen unbekannten neuen Weg zu gehen. Und, schau her, da ist er, er hat doch tatsächlich auf uns gewartet! Lena! Alles ist in der Ordnung, ich weiss noch nicht wie, aber wir gehen nach Deutschland, wir gehen unseren Weg mit Mut und in die Freiheit!"
Die Frau fuhr los, und, zu seinem völligen Erstaunen begann sie mit ihm zu reden, und das noch grössere Wunder war, sie schien ihn zu verstehen. Er sang in höchsten Tönen vor lauter Glück.
Plötzlich bemerkte er die Präsenz eines grossen alten Drachens! Er konnte ihn nicht sehen aber deutlich spüren! Und die Frau sprach auch mit diesem Drachen, sie nannte den Alten ihren Lehrer und sie nannte sogar seinen Namen! Oh Namen, die grosse Ehre einen Namen zu haben, wie gerne hätte auch er einen Namen gehabt. Der Alte, den sie Ra Neomi nannte, erklärte der Frau soeben, das der kleine Drache einen Namen habe und das nun leider keine anderen Drachen mehr auf der Erde seinen um ihm seine Ahnenreihe zu singen.

Der junge Drache wurde immer aufgeregter. Ra Neomi sagte: "frag ihn wie er heisst!" Oh, es verschlug ihm fast die Stimme und er gurgelte einige Laute von sich. "Wie?" fragte die Frau, "nochmal bitte?" "...frrreeeeedooooooo", gurgelte er nochmals. "Hmm, Freedo?, hab ich das richtig verstanden?" "Ja", sagte Ra Neomi, "ein würdiger Name, der junge blaue Drache heisse Freedo von nun an." " Und was bedeutet Freedo?" fragte die Frau. " Es ist die Abkürzung von Freedom, Freiheit, meine Liebe, du bist auf dem Weg in die Freiheit und Freedo auch. Ihr werdet euch gegenseitig unterstützen und die Freundschaft zwischen Drachen und Menschen erneuern auf das die Weite des Seins in allem Bewusstein wieder Raum nehmen kann. Freiheit bedeutet frei sein von Begrenzung, frei sein von der Vergangenheit und von der Zukunft! Das Lachen des Herzens ruht im Moment des Jetzt!"

Seit dem ist mir Freedo ein treuer Begleiter.
Trixa

geschrieben zu Weihnachten 2002 

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